Transmedias

Um den Austausch zwischen Lateinamerika und Europa zu fördern, ist es wichtig das Leben, die Probleme und die Widerstände des anderen kennenzulernen. Dabei können die freien und unabhängigen Medien eine wichtige Rolle spielen. Hier findet ihr Artikel, Interviews, Videos und Radiobeiträge, die im Laufe der Zeit von uns erstellt wurden und gern weiterverbreitet werden können.

Artikel

Karawane Mesoamerika für ein gutes Leben der Menschen im Widerstand

Veröffentlicht in der „Tierra y Libertad“  Heft 75 Frühjahr 2015

Karawane Mesoamerika für ein gutes Leben der Menschen im Widerstand

Eine Rundreise durch Mittelamerika soll Gemeinden im Widerstand vernetzen und langfristig stärken

Interview mit zwei Aktivist_innen der „Kollektive in Aktion“ über ein internationales Solidarprojekt der besonderen Art

Als „Kollektive in Aktion“ planen Sie für 2015 eine Rundreise durch Zentralamerika. Wer sind die „Kollektive in Aktion“ und was ist das Ziel Ihrer Karawane?
Die „Kollektive in Aktion“ sind eine Familie diverser libertärer Kollektive aus Mexiko, Amerika, Europa und anderen Teilen der Welt, die die Aneignung sozialer und sachgerechter Technologien und freier Kommunikationsmedien von unten und links nutzen und voranbringen wollen.
Die Karawane will die Menschen in ihrem Kampf für "Land und Freiheit" unterstützen. Die organisierten Gemeinden verteidigen tagtäglich die Umwelt gegen die Zerstörung durch Megaprojekte wie Bergbau, Staudämme, Monokulturen oder Windkraftparks sowie die dahinter stehenden transnationalen Konzerne und die entsprechenden lokalen Profiteure. Im Namen von "Fortschritt" und "Entwicklung" werden die Lebensgrundlagen der örtlichen Bevölkerung attackiert.
Wir wollen einerseits die Repression, die Menschenrechtsverletzungen, die Bedrohungen und Vertreibungen dokumentieren, mit denen sie von Seiten staatlicher und ökonomischer Akteure konfrontiert sind. Andererseits möchten wir auch ihre Strategien des Widerstandes und die Alternativen, die sie aufbauen, bekannt machen.
Durch den Erfahrungsaustausch mit anderen Aktiven, durch das Teilen von Wissen und durch Öffentlich-keitsarbeit wollen wir den Widerstand und die Autonomie der Urvölker und Bäuer_innen Mesoamerikas stärken und eine Vernetzung fördern. Wichtig ist uns dabei ein respektvoller und solidarischer Austausch auf Augenhöhe.
Um das zu realisieren, schlagen wir vor, freies und gemeinschaftliches Radio und Fernsehen zu produzieren und uns diese Medien sowie deren Handhabung für die Verteidigung von Leben, Land und der Freiheit anzueignen. Außerdem wollen wir Workshops und Projekte zu sozialen und sachgerechten Technologien durchführen wie u.a. fahrradangetriebene Maschinen, Trocken- und Komposttoiletten oder sparsame Holzhöfen, die in den Gemeinden bleiben, um dort genutzt zu werden. Und schließlich wollen wir nach und nach mithilfe der Methode der „kritischen Kartografie“gemeinsam mit den Menschen aus den Gemeinden eine Karte erarbeiten, die die Widerstände, das „buen vivir“ und die Autonomie in diversen Aspekten des Lebens widerspiegelt.

Welche Analysen und Praktiken stecken hinter dem Konzept des "buen vivir", wörtlich "das Gute Leben"?
Wir sehen, dass die neoliberale Politik neben der Umwelt auch die Gemeinschaft zerstört und die Würde und die Autonomie der Gemeinden angreift. Zudem werden in vielen Regionen nicht einmal die Grundrechte wie Bildung, Gesundheit und freie Meinungsäußerung erfüllt. Unterernährung, fehlende medizinische Versorgung oder mangelnder Zugang zu sauberem Wasser sind nur einige der Probleme, denen die Menschen ausgesetzt sind.
Deshalb wollen wir während der Karawane Wissen und Fähigkeiten teilen, die ein  solidarisch-ökologisches Miteinander, ein gutes Leben fördern. Beim Konzept des "buen vivir", das in vielen Dörfern bereits praktiziert wird, geht es um eine klare Orientierung am Allgemeinwohl und der Bewahrung der Natur, um die gegenseitige Unterstützung, die Stärkung der kommunitären Autonomie, die Verteidigung der Menschenrechte, die Gleichberechtigung der Geschlechter und das Recht auf echte demokratische Partizipation bei allen Angelegenheiten, die die Bevölkerung vor Ort betreffen.

Sie haben als „Kollektive in Aktion“ am „1. weltweiten Festival der Widerstände und Rebellionen gegen den Kapitalismus“ teilgenommen, dass von den Zapatistas und dem „Nationalen Indigenen Kongress“ organisiert wurde - welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Unser Einstieg beim Festival begann am 22. und 23. Dezember 2014 in der würdigen Gemeinde von Amilzingo, Morelos. Amilzingo ist eine Gemeinde, die im Widerstand gegen die Gasfernleitung Morelos ist, von der die Gemeinden Puebla, Morelos und Tlaxcala betroffen sind. Hierher kamen auch die Eltern und Freunde der 42 verschwundenen Studenten von Ayotzinapa, Guerrero, Vertreter_innen der 29 „Spiegel“ der Urvölker Mexikos sowie hunderte Einzelpersonen und Kollektive, die Unterzeichner_innen der Sechsten Deklaration der Selva Lacandona sind. Auf Anfrage der Gemeinde nach logistischer Unterstützung haben wir gemeinsam mit anderen Aktivist_Innen 6 Trockentoiletten, 12 Komposttoiletten und 20 Duschen für die etwa 1000 Teilnehmer_innen errichtet.
In Amilzingo und an der „Universität der Erde“ (Cideci), San Cristobal de las Casas, Chiapas, haben wir die „Karawane Mesoamerika für ein Buen Vivir der Menschen im Widerstand“ öffentlich vorgestellt. Unser Wort wurde mit Aufmerksamkeit und Interesse von den Anwesenden gehört und aufgenommen.
Die während des Festivals gewonnene kollektive Erfahrung lässt uns die Spiegel des kapitalistischen Raubes und den würdigen Widerstand sehen, die in den Menschen Mexikos und der Welt reflektiert werden. Wir sehen die Ermordeten, die Gefangenen und Verschwundenen, an die erinnert wurde. Sie sind Zielscheiben des gleichen Vernichtungskrieges, verübt von denen von „oben“, die versuchen ihre Macht und ihre Gewinne mithilfe der Straflosigkeit zu erweitern. Und wir sehen unsere diversen Kämpfe zur Verteidigung von Leben, Land und Freiheit sowie die verschiedenen autonomen Alternativen, die wir kultivieren - reflektiert in der Möglichkeit einer gerechten Welt, in die viele Welten passen.
Während der Karawane streben wir an, die Erkenntnisse aus den Stimmen der Menschen im Widerstand sowie die Möglichkeiten der organisierten gemeinsamen Aktion, die in dem 600 Seiten langen Bericht vom Festival widergespiegelt werden – weiterzustreuen.

Anfang Januar fand das 3. Vorbereitungstreffen der Karawane statt, wie sehen die nächsten Schritte aus?
Nach unserem Treffen als „Kollektive in Aktion“ haben wir den Zeitplan und die nächsten Schritte der Karawane konkretisiert. Von den Spenden aus der erfolgreichen Crowdfundingkampagne haben wir einen ersten Teil der benötigten Mittel für die Karawane erworben und bspw. eine Foto- und Videokamera gekauft. In den nächsten Monaten werden wir uns darauf fokussieren, weitere Gelder und fehlende Materialien zu sammeln, die es uns ermöglichen, die Route und die Workshops umzusetzen. Dabei freuen wir uns über jede Unterstützung bei der Verbreitung unseres Projektes und unserer Kampagnen.
Im Januar und Februar werden wir daran arbeiten, den Bus in ein „Mobiles Laboratorium für ein Buen Vivir“  umzugestalten - bereit für die Workshops zu freiem Radio und Fernsehen und bepackt mit allen nötigen Werkzeugen für den Bau von sozialen und sachgerechten Technologien.
Wir haben mehr Karawanist_innen in unser Team aufgenommen und Komissionen und Arbeitspläne geschaffen. Jetzt ist es Zeit, weitere interne Übereinkommen zu treffen und uns als Karawanist_innen vorzubereiten, indem wir im weiteren Kontakt mit den Gemeinden die kollektiven Arbeiten konkretisieren, die wir dieses Jahr realisieren wollen.
Abhängig von der Beschaffung von Ressourcen, hoffen wir, die Tour der Karawane im April in den mexikanischen Staaten Morelos, Guerrero, Oaxaca und Chiapas starten zu können. Unser Ziel ist es, im Mai nach Guatemala zu reisen und im Oktober Panama zu erreichen.

Mehr Informationen unter:
https://caravanaparaelbuenvivir.wordpress.com
Unterstützungsmöglichkeiten unter:
http://transgalaxia.org





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Landbesetzung in Costa Rica

Veröffentlicht in der „Tierra y Libertad“  Heft 74  / 2014

Landbesetzung in Costa Rica als einziger Ausweg für die Landarbeiter_innen

Im Mai diesen Jahres haben wir für ein paar Tage die compas einer kleinen Gemeinde im Kanton Sarapiqui besucht. Sie haben 200 Hektar Land besetzt und kämpfen wie viele andere in Costa Rica darum, ein kleines Stück Land zu haben, um leben und anbauen zu können. Damit verteidigen sie das „Grundrecht der Bauern auf Arbeit“, was nicht nur bedeutet, Arbeitnehmer zu sein, sondern auch sein eigenes Land bearbeiten zu können.


Der Kanton Sarapiqui liegt im Norden Costa Ricas und ist seit den fünfziger Jahren in den Händen von Großgrundbesitzern und transnationalem Kapital. Die ersten Großgrundbesitzer kamen durch den ehemaligen Präsidenten José Figueres Ferrer nach Costa Rica. Als Zeichen des Dankes für ihre Unter-stützung im Bürgerkrieg von 1948 hat die damalige Regierung Holländern, Deutschen und Italienern tausende Hektar Land in der Gegend von Sarapiquí geschenkt. Vor 30 Jahren kamen nach und nach auch nordamerikanische Fruitcompanien wie Standard Fruit Companie, GUYAMEL Fruit companie, BANDECO und PINDECO hierher. In Costa Rica gibt es insgesamt 45 000 Hektar Bananen- und 70 000 Hektar Ananasplantagen – alles in transnationalen Händen.
Neben den fatalen Auswirkungen auf die Umwelt durch die Zerstörung der Urwälder und Wasserquellen, wurde so für die Kleinbauern der Zugang zu Land geschlossen. Sarapiquí hat sich dadurch in eine Zone vieler sozialer Konflikte verwandelt, denn die Landbesetzungen sind für die Menschen die einzige Möglichkeit, um Land zu besiedeln.

Cesar lebt hier seit 10 Jahren und war einer der ersten, die hier herkamen: „Dieses Land war 25 Jahre lang sich selbst überlassen. Wir Bauern haben das Land besetzt, um es zu bearbeiten. Ein paar Jahre später kamen einige Besitzer, die das Land zurückforderten. In Wirklichkeit waren sie jedoch gar nicht die Eigentümer. Wir haben nach den eigentlichen Besitzern geforscht und dabei hat sich herausgestellt, dass das Land der „Institution zur genossenschaftlichen Förderung“ gehört - kurz INFOCOP.“

Doch INFOCOP hat das Land mittels eines Gesetzes an eine Vereinigung von mutmaßlichen Bauern verschenkt, die in Wirklichkeit keine sind. Der Anwalt Gerardo Mora kämpft an der Seite der Gemeinde und erklärt uns die Hintergründe zur Vereinigung „Nueva Esperanza“. „Da haben wir den Fall des Vorsitzenden Rafael Sibaja, der hier in der Nähe ca. 600 Hektar Land besitzt. Er könnte niemals ein Bauer sein. Zumindest keiner, der die Erde direkt bearbeitet, denn er stellt Arbeiter an, um seinen Reichtum zu vergrößern. Neben ihm haben wir innerhalb der  Vereinigung jemanden, der Steine, genauer gesagt Baumaterial aus dem Fluss abbaut. Auch dies ist in keiner Weise landwirtschaftliche Arbeit, sondern eine gewöhnliche kaufmännische Tätigkeit. Und noch gravierender ist der Fakt, dass ca. 20 Hektar an den Ananasproduzenten PINDECO vermietet wurden. Das ist Teil von dem, was wir anklagen werden. Wir versuchen auch, das Gesetz zu annullieren, durch dass das Land an die Vereinigung übereignet wurde. Auf der Grundlage, dass die Ziele nicht verfolgt werden, für die das Gesetz geschaffen wurde. Nämlich die Voraussetzung, dass die Vereinigung und deren Mitglieder das Land bearbeiten. Aber was wir hier haben, sind Unternehmer und Händler, die im Schatten der Partido Nacional zu viel Reichtum gekommen sind.“

Am 15. Mai 2014 hat die Gemeinde einen Räumungsbescheid erhalten, ausgelöst durch die Vereinigung „Nueva Esperanza“. Es ist nicht das erste Mal, 2010 wurden sie schon einmal geräumt. Nachdem ihre Häuser und ihre Felder von der Polizei zerstört wurden, haben sie drei Monate auf der Straße gelebt und sind dann auf Anordnung von INFOCOOP wieder auf ihr Land zurückgekehrt. Momentan sind es etwa 50 Familien, die sich hier ein Leben aufgebaut haben.  

„Ich bin Kasimira, seit fünf Jahren lebe ich an diesem Ort. Wir haben gearbeitet und von dem gelebt, was wir angebaut haben. Wir haben Bananen, Mais, Bohnen und Reis gesät und wir haben auch Hühner. Die ersten Häuser haben wir aus Plastikfolien gebaut. Wir haben immer noch keine Fußböden, aber mittlerweile sind ein paar Dächer aus Wellblech. Es ist ein bisschen besser, aber noch nicht gut. Es fehlt noch sehr viel. Wir haben z.B. kein Wasser, sondern müssen es aus dem Brunnen holen. Und wir haben auch keinen Strom, wir machen Licht mit Kerzen und manchmal mit Hilfe des Mondes. Denn wir haben nicht genug Geld, um all das zu haben.“

„Mein Name ist Deyanira Nuñez Jiménez. Ich bin hier, weil ich keine Arbeit habe. Um es klarer zu machen: wenn du über 40 bist, wollen sie dir keine Arbeit mehr geben, zumindest nicht als Frau. Wir haben dieses Land hier besetzt, um gleiche Chancen zu haben. Aber, wie man sehen kann, sind  bedauerlicherweise die großen Unternehmer Eigentümer dieses Landes und nehmen den Armen ihre Arbeit und vor allem ihr Land weg. Denn sie besitzen das Geld und sind die Eigentümer von allem, was wir in Costa Rica haben.“

Neben der ständigen Gefahr, alles zu verlieren, erzählt man uns noch von einem anderen Problem, mit denen die Gemeinde in ihrem täglichen Kampf zu tun hat  – dem „gavilanismo“, den sogenannten „Aasgeiern“. Gemeint sind Bauern, die andere Bauern betrügen. Im Januar diesen Jahres kam eine Gruppe in die Gemeinde, deren Anführer von der Vereinigung „Nueva Esperanza“ Geld bekommen haben, um die Gemeinde zu spalten und als Vorwand für die Räumung aller zu dienen. Die Praxis des „gavilanismo“ hat in den 10 Jahren des Kampfes zwei Tote in der Gemeinde hinterlassen. Der erste war Francisco Castillo, nach dem die Bewohner ihre Gemeinde benannt haben: „Francisco Castillo en resistencia“.  Der zweite war Marvin Guzman, der gemeinsam mit der Gruppe in die Gemeinde kam. Die Mitglieder der Gemeinde bedauern seinen Tod und sehen ihn selbst als Opfer des gavilanismo mit all seinen Auswüchsen. Von dem Moment an, als er in die Gemeinde kam bis dahin, als er skrupellos betrogen und am vergangenen 21. Mai ermordet wurde.

Die Menschen hier wollen Widerstand leisten, aber bei einer Räumung hätten sie keine Chance, denn in dieser Zone ist das comando Atlantico dafür zuständig - die härteste Polizeieinsatzgruppe in Costa Rica. Sie wurde in den 80er Jahren gegründet und auf die Widerstandsbekämpfung vorbereitet. Das comando Atlantico ist dafür bekannt, skrupellos und  repressiv gegen jegliche Bauernbewegungen vorzugehen. Der einzige Weg, eine Räumung eventuell zu verhindern, ist somit der rechtliche Weg.
Diese Gemeinde hat das Glück, von einem Anwalt unterstützt zu werden. In einem Eilverfahren wurde eine einstweilige Verfügung eingereicht, die zwei Tage vor Ablauf der Räumungsfrist positiv vom Gericht beantwortet wurde. Damit wird ein demokratischer gerichtlicher Prozess eingeleitet, in dem die Mitglieder der Gemeinde nachweisen können, dass sie ehrliche Landarbeiter_innen sind und seit 4 bis 5 Jahren von dem leben, was sie anbauen. David, einer der Studenten aus San José, die die Gemeinde bei ihrem Aufbau unterstützen, meint zu dem Thema: „Das ist allerdings nur ein kleines Pflaster auf eine große Wunde. Der Kampf geht weiter. Wir werden die staatlichen Instanzen und den Nationalkongress weiter anmahnen, bei diesem Thema  die Karten in die Hand zu nehmen und zu versuchen, den Konflikt so schnell wie möglich zu lösen, damit der Schmerz dieser Personen nicht noch weitere fünf Jahre andauert. Für den Moment haben wir jedoch nach einer Reihe von institutionellen und demotivierenden Niederlagen einen kleinen Sieg erreicht.“

Es gibt eine Radiosendung zu diesem Thema, die ihr unter der Reihe „Der andere Reisebericht, von Menschen aus Lateinamerika“ auf dem Portal der Freien Radios finden könnt.

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„El Primer Hospital Garifuna – Das erste Krankenhaus der Garifuna“

 Das erste Krankenhaus der Garifuna in Honduras ging aus einer kommunitären Initiative hervor, die dem Schutz der Gesundheit der indigenen Völker dienen soll. Das erste Krankenhaus entstand in der Gemeinde von Ciriboya, im schwer zugänglichen Nordosten des Landes. Eine Zone in der nie eine adäquate medizinische Grundversorgung existierte. Seit 2007 gab es hier mehr als eine halbe Million kostenlose Konsultationen. Alle Beteiligten kämpfen für die Realisierung einer Vision, die Gesundheit als fundamentales menschliches Grundrecht betrachtet.  

Entlang der östlichen Atlantikküste von Honduras, zwischen Sambo Creek und Sangrelaya, sind in den letzten 200 Jahren viele Dörfer der Garifuna entstanden. An der Erforschung der Ethnogenese haben sich schon Legionen von WisennschaftlerInnen versucht und es gibt immer noch viele ungeklärte Fragen und Ungereimtheiten über Sprache und Kultur der Garifuna. Ihre Geschichte ist durch den ewigen Kampf gegen Unterwerfung und Versklavung beschrieben und die eigenen Mythen und Sagen werden zwischen den Genrationen erzählend weitergegeben. Heutzutage hat diese Volksgruppe etwa 100.000 Angehörige im karibischen Raum von Zentralamerika und den USA.

Die Belange der ethnischen Minderheit werden von einer Ladino[1] geprägten Gesellschaft in Honduras kaum gehört. Infrastrukturmaßnahmen kommen fast nie in die abgelegenen Dörfer, es gibt zu wenig öffentliche Schulen und eine medizinische Grundversorgung wird von staatlicher Seite schon gar nicht gewährleistet. Die Angehörigen dieser Ethnie sprechen selbst davon, ein vergessenes Volk in einer abgeschiedenen Gegend zu sein.

Auf dem Weg an die Miskitoküste von Honduras verlässt man kurz nach der Stadt Tocoa das letzte Stück asphaltierter Straße und wechselt auf eine mit Schlaglöchern übersäte und aus Regenfurchen bestehende Piste. Von hier aus sind es nur noch 80 km bis nach Ciriboya. Für diese Strecke werden Dr. Melvin und Ich wahrscheinlich vier bis fünf Stunden benötigen. Nachdem Dörfchen Vallecito haben die Überlandstromleitungen ihr Ende gefunden und die Landschaft verschandelt sich zunehmend mit riesigen Palmenplantagen. Die Zeiten der United Fruit Company sind hier schon längst Vergangenheit und die Palmölindustrie formt dieses Stückchen Erde nach ihrem eigenem Ermessen. Die Busfahrt führt an karibischen Stränden vorbei und erste Eindrücke von Garifunadörfern wirken auf mich ein. In Punta Piedra verspricht mir Dr. Melvin, dass wir in einer Stunde in Ciriboya ankommen. Ciriboya ist ein kleines Dorf im Gemeindebezirk von Iriona und in dieser „Comunidad“ leben ungefähr 700 Garifuna. In Iriona, dem „Municipio“ wohnen offiziell 32.000 Menschen. Diese Menschen sind zum größten Teil Angehörige der Garifunas und der Ladinos und nur ein kleiner Teil der Bevölkerung sind Angehörige der Ethnien der Miskito und der Pech.

Dr. Melvin hat mit einem Stipendium an der ELAM[2] in Havana studiert. Er ist selbst in Ciriboya aufgewachsen und kennt die Geschichte des ersten „Garifuna – Krankenhauses“ seit der Entstehung der Brigadas Estudantiles por la Salud[3] Er erinnert sich an die Anfänge dieser Initiative: „Die studentischen Brigaden entstanden aus einer Initiative der ersten „Companeros“, welche Medizin in Cuba studierten. Dr. Luther Castillo initiierte dieses Projekt im Jahr 2001 in Havanna. Zu dieser Zeit begannen die „Compas“ in ihrer Ferienzeit mit einer Freiwilligenarbeit in Honduras. Diese Arbeit sollte den hier lebenden Menschen eine medizinische Grundversorgung geben. Zu dieser Zeit gab es in dieser Gegend weder ein Krankenhaus noch einen einfachen Gesundheitsposten und die Menschen waren mindestens fünf Stunden unterwegs um sich von einem Arzt behandeln zu lassen.

Über die letzten Jahren gingen regelmäßig Studenten nach Cuba und diese gaben den studentischen Brigaden eine Kontinuität. Bis heute fühlen sich die „Garifuna – StudentInnen“ verantwortlich für diese Freiwilligenarbeit. Alte Studenten geben diese Verantwortung an die neuen weiter und die Brigaden wurden zu einem Selbstläufer.“

Während dieser Zeit erkannte Dr. Luther Castillo, dass es auch in Zukunft keine staatliche Unterstützung für ein Gesundheitssystem in dieser Region geben wird und suchte internationale Unterstützung. Bei einem Aufenthalt auf Cuba stellte er Kontakt zu einer kalifornischen Organisation her. In den folgenden Jahren intensivierten sich die Kontakte und CHIMES[4] wurde zum wichtigsten Projektpartner. Die Kalifornier sammelten Geld über einen Spendenaufruf und stifteten 50.000 US Dollar, um Material für den Bau eines Krankenhauses in Ciriboya zu beschaffen. Mit dieser Spende war es nun möglich den Traum eines eigenen Krankenhauses in die Realität umzusetzen.

Mirna Ruiz ist ebenfalls in Ciriboya geboren. Die 45-jährige Frau mit kräftigen Oberarmen und rauen Händen erwirtschaftet ein kleines Einkommen mit der harten Arbeit des Anbaus von Yucca. Sie ist außerdem stellvertretende Vorsitzende des Komitees des Krankenhauses und berichtet über die ersten Tage des Projektes: „ Die Anfänge des Krankenhauses starteten mit gemeinsamen Treffen der „Comunidad“. In einem dieser Treffen reichte Dr. Luther Castillo einen Vorschlag in die Versammlung ein, ein Vorschlag und ein Konzept zum Bau eines Krankenhauses. Die Versammlung war sich einig und akzeptierte den Vorschlag. Wir trafen eine gemeinsame Vereinbarung und die Gemeinden „Cusuna“ und „Ciriboya“ übernahmen nun die Verantwortung für den Bau des Krankenhauses. Seit diesem Datum arbeiteten wir, Kinder und Erwachsene, vereint an unserem Krankenhaus. Wir bildeten sieben Gruppen und arbeiteten von nun an in Schichten. Es war wirklich eine sehr harte Arbeit...!“

Neben dem Bau des Krankenhauses durch die Gemeinschaft gründeten die ÄrztInnen und StudentInnen eine Stiftung mit dem Namen „Luagu Hatuadi Wadunu“. In der Sprache der Garifuna bedeutet das: „ Stiftung für die Gesundheit unserer Gemeinden“. Dr. Baison, welcher seit einem Jahr hier arbeitet erläutert die Absichten und Ziele dieser Stiftung: „ Die Stiftung war ebenfalls eine Initiative derselben „Companeros“ welche zugleich mit der Arbeit der studentischen Brigaden anfingen. Die Brigaden waren für die Gründung der Stiftung eine Art Meilenstein und die Arbeit der Stiftung sollte nun über das Schaffen der Brigaden hinausgehen. Mit dem Beginn der studentischen Freiwilligenarbeit entwickelten wir die Vorstellung mehrere Gesundheitszentren in Honduras zu schaffen, welche gratis für die Bevölkerung sein sollen. Die Stiftung sollte nun dazu dienen die administrativen Aufgaben und die Spendenabwicklung zu übernehmen. Mit anderen Worten gesagt ist die Stiftung das koordinierende Zentrum der studentischen Brigaden und des Krankenhauses. Im weiteren verfolgen wir mit der Stiftung den Aufbau von 10 weiteren Modellkrankenhäusern im ganzen Land. Das Krankenhaus in Ciriboya ist nun das erste unabhängige Krankenhauses in ganz Honduras, welches mit Hilfe der kommunitären Arbeit der Dörfer und der Unterstützung von einigen internationalen Organisationen gebaut wurde. Dieses Modellprojekt soll auf andere Gemeinden in Honduras übertragen werden, das ist unser Traum und unsere Vision!“

Krankenschwestern, ÄrztInnen und die Gemeinschaft von Ciriboya sind sehr stolz auf ihr unabhängiges Krankenhaus. Sie wissen aber auch, dass es an vielen grundlegenden Sachen mangelt und das die Unterhaltung eines Krankenhauses strukturelle Aufgabe des Staates sein müßte. Bis heute ist die Elektrifizierung nicht nach Ciriboya vorgestoßen und die aktuelle Regierung unter Porfirio Lobo wendet sich im Gegensatz zum gestürzten Ex- Präsidenten Manuel Zelaya erneut von dieser vergessenen Region ab. Aus diesem Grund beschreibt Dr. Melvin weitere Pläne des Krankenhauses: „ Ein Ziel des Krankenhauses ist es, dass der honduranische Staat sich unserem Projekt annimmt und dieses unterstützt. Bis jetzt ist dies leider nicht geschehen. Ein Krankenhaus muss unterhalten und gewartet werden, es benötigt regelmäßige Lieferungen an Medikamenten, es braucht viele verschiedene Hilfen. Krankenschwestern, Ärzte und das restliche Personal benötigt natürlich auch ein regelmäßiges Einkommen. Das Krankenhaus befindet sich nicht innerhalb der staatlichen Verwaltung und deswegen sind wir auf internationale Hilfe angewiesen. Leider kommt diese Unterstützung nicht regelmäßig und es gibt Phasen, in denen wir keine Medikamente haben. Deswegen hoffen wir, dass der Staat Honduras unser Krankenhaus irgendwann als Teil seines Gesundheitssystems wahrnimmt!“

Den Großteil der Unterstützung bezieht das Krankenhaus von NRO aus den USA und aus Spanien. Die Organisationen spenden unregelmäßig Medikamente und versuchen Patenschaften für Ärzte und Krankenschwestern zu übernehmen. Dies gelingt nur ansatzweise und das Hospital sieht sich mit einer permanent prekären Finanzsituation konfrontiert. Auf der einen Seite betonen die Ärzte stolz ihre Unabhängigkeit , andererseits wissen sie aber genau, dass sie auf staatliche und internationale Kontakte angewiesen sind. Dr. Baison versucht das entwicklungspolitische Dilemma des Krankenhauses zu erörtern: „ Derzeit arbeiten wir autonom und wir sind abhängig von niemanden. Seit einiger Zeit haben wir eine Homepage und diese soll dazu dienen internationale Hilfe zu suchen. Wir streben es nicht an, dass der Staat der ausschließliche Unterstützer unseres Projektes ist. Damit würden wir das Hauptziel unseres Projektes verfehlen, welches die kostenlose medizinische Betreuung für alle fordert. Mit dem Staat möchten wir lediglich eine Allianz eingehen, eine Allianz von der wir in einigen Bereichen, vor allem im Bereich der Medikamente und der Personalkosten, regelmäßige Unterstützung bekommen.Natürlich lehnen wir eine internationale Hilfe nicht ab. Im Gegenteil,wir wollen unsere internationalen Allianzen ausbauen. Weil wir an diese Projekt glauben! So ist es also eine Notwendigkeit internationale Verbindungen zu haben, denn der Bau des Krankenhauses ist noch lange nicht beendet. Der weitere Ausbau und die Aufstockung mit notwendigem Equipment ist ein großer Traum von uns: Dieser ist noch weit entfernt, aber wir glauben daran, wir glauben an eine bessere medizinische Betreuung in dieser Region!“ An dieser Stelle ergänzt Dr. Melvin und spricht über eine ganz wesentliche Unterstützung: „Eine sehr wichtige Hilfe für unsere Arbeit ist die Unterstützung aus Kuba. Kuba entsendet weltweit Ärzte-Brigaden, um die Gesundheitssysteme vieler verschiedener Länder zu verbessern. Diese Ärzte und Spezialisten kommen auch nach Ciriboya. Sie bleiben hier für 2 Jahre und kehren dann zurück zu ihren Familien in Kuba. Während dieser Zeit unterstützen uns die kubanischen „Compas“ bei unserer Arbeit hier Ciriboya.“

Die ÄrztInnenn in Ciriboya arbeiten interdisziplinär, denn die PatientInnen gehen nicht nur mit Krankheiten oder Schmerzen zur Sprechstunde. BewohnerInnen aus Ciriboya und den umliegenden Gemeinden kommen mit ihren sozialen und familiären Problemen. Hier gibt es keine PsychologInnen oder SozialarbeiterInnen und die ÄztInnen sehen sich mit einem weitaus komplexeren Aufgabenfeld konfrontiert. Als Arzt weiß Dr. Melvin genau, dass, „... der Mensch ein `Bio-Psycho-Sozial-Spiritual-Wesen` ist. Diese Merkmale eines Menschen sollten sich miteinander im Gleichgewicht befinden. All diese Komponenten sind in einem Zusammenspiel und der Mensch muss als hochkomplexes Wesen gesehen werden. Der soziale und auch psychologische Zustand eines Menschen bedingt auch ganz klar das gesundheitliche Befinden des Menschen. Stress wirkt sich z.B. immer sehr negativ auf die Psyche und den Zustand des Menschen aus und das Leben in unserer Gesellschaft hat viele Wirkungen auf die Gesundheit. Familiäre Probleme, Alkoholismus, all dies sind Probleme, die am Ende das menschliche Gleichgewicht zum schwanken bringen.“

Trotz der komplexen Herausforderung, der infrastrukturellen Situation und den Problemen, die die Betreibung eines Krankenhauses in dieser Region mitbringen, geht Dr. Baison jeden Tag aufs neue mit einer speziellen Motivation zu seiner Sprechstunde. Da er selbst nur fünf Minuten vom Krankenhaus entfernt lebt, steht er wie auch all die anderen ÄrztInnen, den hier lebenden Menschen jeden Tag 24 Stunden zur Verfügung: „Für mich ist es sehr motivierend meine Sprechstunde in meiner eigenen Sprache Garifuna zu geben. Ich kann meine Großeltern, meine Onkels, meine eigene Familie behandeln. Teilweise reden die Menschen hier kein Spanisch. Ich kann mit diesen Menschen arbeiten, kann sie weiterbilden und kann ihnen bezüglich ihrer Gesundheit Dinge bewusst machen. Natürlich weiß ich, dass ich den Lebensstil eines Menschen vor allem unter den hiesigen Bedingungen nicht so einfach ändern kann. Aber ich kann ihm wenigstens Möglichkeiten und Alternativen näher bringen. Wir erleben hier viele schöne Momente und bekommen viel Liebe von unseren PatientInnen. Eine weitere wichtige Sache ist die Befriedigung, die man bekommt, wenn man einem Patienten helfen konnte. In unser Krankenhaus sind schon viele schlimme Fälle eingegangen. Wir konnten Menschen das Leben retten. Dies ist ein gutes Gefühl, vor allem in einer Region in der es vorher keine medizinische Versorgung gab.“

Das Krankenhaus und die Arbeit der studentischen Brigaden hat in dieser Region viele Verbesserungen bezüglich der Gesundheit herbeigeführt. Die Kinder- und Müttersterblichkeitsrate wurde entscheidend gesenkt und die ÄrztInnen beraten präventiv die Bevölkerung zu Themen der Hygiene, Sexualverhalten und Ernährung. Damit diese Arbeit auch in Zukunft bestehen kann, benötigt das „ Hospital Garifuna“ auch weiterhin Unterstützung. Durch das fehlende Bewusstsein und die schwierige politische Situation in Honduras kann das Projekt der Garifuna- Ärzte wahrscheinlich auch in der Zukunft nicht viel Hilfe vom Staat erwarten. Damit bleibt das Krankenhaus von der internationalen Entwicklungszusammenarbeit abhängig. Während meines Aufenthaltes in Ciriboya lernte ich schnell einen sehr selbstbewussten Umgang mit dieser Abhängigkeit kennen. Nicht nur die Ärztinnen, sondern auch die Gemeinschaft ist stolz auf ihr Krankenhaus, „..., das Krankenhaus wurde von der Gemeinde gebaut, es gehört der Gemeinde und die Leute die drin arbeiten, arbeiten für die Gemeinde. Die Leuten können es fühlen , dass es ihr Krankenhaus ist und es sich ausschließlich der Bevölkerung widmet.“ Dr. Baison.

„El Primer Hospital Garifuna“ hat eine eigene Homepage in englisch und spanisch. Auf dieser Seite kann sehr einfach Geld für die Vision der Garifuna gespendet werden!

http://primerhospitalgarifuna.blogspot.de

Momo, eine Filmemacherin vom Transgalaxia e.V. veröffentlichte einen Dokumentarfilm über verschiedene Projekte und soziale Bewegungen in Zentralamerika. „El Primer Hospital Garifuna“ ist Teil dieser Doku. Die Doku mit dem Namen „Die Kraft der Schmetterlinge“ ist erhältlich bei: http://www.cinerebelde.org und kann online bei alegre-rebeldia.de geschaut werden.

[1] Der Begriff Ladino (auch Mestize) bezeichnet im Deutschen die Nachfahren von Weißen und der indigenen Bevölkerung v.a. Süd- und Mittelamerikas.

[2] Latin American School of Medicine.

[3] Studentische Brigaden für die Gesundheit.

[4] California Honduras Institute for Medical and Education Support, (www.chimesproject.org).

Ciudad Juárez

Eine lebenswerte Stadt – Eine Reise nach Ciudad Juárez im Norden Mexikos

Zwischen dem 14. September und 4. Oktober besuchte eine Reisegruppe von elf Frauen die Zwillingsstädte El Paso (USA) und Ciudad Juárez (Mexico), um sich mit der komplexen Realität dieses Grenzraumes auseinanderzusetzen. Sie wollten wissen, wie die Menschen dort im Alltag mit den Problemlagen, wie Gewalt und Feminizide (Morden an Frauen, weil sie Frauen sind), umgehen, welche Handlungsstrategien sie entwickelt haben, woher sie die Kraft nehmen, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren und welche Träume und Hoffnungen sie verfolgen. Auf der Reise besuchten sie verschiedene Organisationen und Menschen. In den folgenden Bericht von zwei Teilnehmerinnen der Gruppe sind einige Dieser Gespräche eingeflossen: Aussagen von Luz Sosa von El Diario, einer lokalen Zeitung, die als eine der wenigen Printmedien kein Abkommen unterzeichnet haben, staatstreu über den 'Drogenkrieg' zu schreiben. In El Paso berichtete Marisela Ortiz, die dorthin ins Exil gehen musste, von der Organisation Nuestras Hijas de Regreso a Casa, die sich für die öffentliche Thematisierung von Gewalt gegen Frauen, die Aufklärung der Frauenmorde und die strafrechtliche Verfolgung der Täter einsetzt. Weiter kommen Elizabeth Flores zu Wort, die Direktorin von Pastoral Obrera, die ArbeiterInnen in Ciudad Juárez organisiert, Leobardo Alvarado,Künstler, Aktivist und Sozialwissenschaftler und Obeja Negra, Dilema, Alex und Murder von den Batallones Femeninos (BF), einer 7-köpfigen Frauen-Hip-Hop Gruppe aus Juárez.

Früher war Ciudad Juárez eine kleine Stadt, die vom Tourismus aus den USA lebte, meinte Elizabeth Flores. Viele kamen aus Fort Bliss, einem Truppenstützpunkt in El Paso, um sich in Juárez zu vergnügen oder Waren und Dienstleistungen zu konsumieren, die hier billiger waren. Eine Vielzahl leerstehender und verfallener Hotels und Bars erzählen davon. „Davon lebte Juárez. Damals gab es viele Geschäfte, die besser liefen als im Rest des Landes.“

Elizabeth Flores berichtete, dass ab den 70er Jahren die Maquiladoras kamen und Juárez rapide wuchs. Die Maquiladoras oder kurz Maquilas sind ausländische Unternehmen, die das relativ niedrige Lohnniveau in Mexiko ausnutzen, um dort halbfertige Produkte weiterverarbeiten zu lassen. Dieses Industrialisierungsmodell ist sehr umstritten, da es nur schlecht bezahlte Arbeitsplätze schafft und wenig zur Entwicklung einer lokalen soliden Industriebasis beiträgt. Durch das Anwachsen der Maquila-Industrie wuchs der Handel, Schulen wurden eröffnet, der Wohnungsmarkt vergrößerte sich usw. Gleichzeitig wurde eine Abhängigkeit von den Maquiladoras aufgebaut. Die Finanzkrise, die 2007 in den USA als Immobilienkrise begann und sich ab 2008 auch auf die Realwirtschaft auswirkte, sorgte u. a. dafür, dass die Produktion in den Maquilas, die überwiegend für den US-Markt produzieren, sank und es zu Entlassungen kam. Marisela Ortiz betonte, dass die Maquiladoras überhaupt nicht gut sind: „Sie wurden uns als Wirtschaftsrettung angekündigt, sie haben die Gesellschaft maßgeblich verändert und in gar keiner Weise ausgeglichen, was sie der Gesellschaft an Schmerz gebracht haben.“

Der Verdienst in diesen Betrieben, der im Durchschnitt 670 Peso (70 Dollar) pro Woche beträgt, reicht nicht zum Lebensunterhalt für eine Person. „Selbst wenn zwei Personen arbeiten, lebt die Familie weiterhin prekär“, betonte Elizabeth Flores. Denn das Leben in Ciudad Juárez ist teuer. Die Kosten für Strom und Wasser sind hoch, ebenso die Mieten und die Lebensmittel. Aufgrund der Wirtschaftskrise ist die Arbeitslosigkeit gestiegen. Außerdem werden jährlich 24 Prozent der StudienabgängerInnen in die Arbeitslosigkeit entlassen. Viele Menschen arbeiten im informellen Sektor oder in ausbildungsfernen Bereichen. „Einige wenige haben die Reichtümer, der große Rest lebt in der Misere. Es gibt Orte in der Stadt, wo die Armut sehr sichtbar ist, wo die Menschen nicht einmal die Grundversorgung haben“, meinte Marisela Ortiz. Luz Sosa betonte die Anfälligkeit der Jugendlichen für die organisierte Kriminalität und Elizabeth Flores schloss daraus, dass „diese für viele Jugendliche eine Perspektive ist, weil sie doppelt, zehn oder zwanzig mal mehr verdienen können.“

Elizabeth Flores wies darauf hin, dass die De-Facto-Macht der Maquiladora eine Veränderung der Lehrpläne in den Schulen bewirkte. Die Schulen und Universitäten stellten sich auf die Produktion in den Maquilas ein. Geschichte, Geographie, Sozialkunde, Philosophie etc. wurden vernachlässigt. Mexiko ist auf dem Weg der Privatisierung, auch im Bildungsbereich. Die regierende PRI (Partido Revolucionario Institucional) beschleunigt und unterstützt die wirtschaftlichen Interessen u. a. mit Reformen in fast allen strategischen Bereichen, auch in der Bildung. Schon heute haben Arbeiterkinder kaum Zugang zu höherer Schulbildung, weil die Familien es nicht bezahlen können. „Die meisten gehen bereits nach der 9. Klasse von der Schule ab“, berichtete Elizabeth weiter.

Die Batallones Femeninos haben den Wunsch eigene Einkommensquellen durch ihre kreative Arbeit zu schaffen. „ Für zehn Stunden Arbeit in der Maquila bekomme ich 56 Peso. Die mach` ich mit Singen in drei Autobussen.Wir haben gelernt für das Jetzt zu leben, wer weiß, ob wir morgen noch am Leben sind. Wir haben auch gelernt, etwas Schönes zu machen aus etwas Schrecklichem wie dieser Stadt. Das ist unsere Kunst. Wir erzählen darüber, was es heißt in dieser Stadt zu leben“, hielt Obeja Negra von den BF fest. „Es passieren viele furchtbare Dinge in dieser Stadt. Alle wissen es, aber niemand sagt es. Unsere Mütter und Freunde sind besorgt um uns, wenn wir über die Stadt erzählen, weil es gefährlich sein könnte. Sie haben Angst und es gibt viel akkumulierte Angst in den Familien“, erläuterte Dilema. Luz Sosa vom El Diario denkt, dass es in Juárez gefährlicher ist dem Staat die Stirn zu bieten als der organisierten Kriminalität. „Die Regierung möchte auf die eine oder andere Weise nicht, dass wir über Korruption und Straflosigkeit berichten. “ Das meint auch Marisela Ortiz: „Leider ist Mexiko ein sehr korruptes und verderbliches Land, im gesetzgebenden und gerade auch im ausführenden Sektor, also der Polizei. Die Korruption verläuft von oben nach unten. Das ist der Zustand.“

Eine Woche bevor wir Luz Sosa trafen, waren in Loma Blanca einem Stadtteil von Juárez zehn Menschen mit 33 Kugeln niedergeschossen worden, als sie ein gewonnenes Baseballspiel feierten. Die meisten waren Mitglieder der Mannschaft und zwischen 18 und 19 Jahre alt. „ Als bewaffnete Gruppen sich in Loma Blanca aufhielten, gab es einen Moment, in dem sie uns zu verstehen gaben, dass es gefährlich sei über die Beerdigungen zu schreiben. Manchmal frage ich mich, warum ich das weitermache. Letzte Woche waren es in Loma Blanca neun Beerdigungen. Ich traf zerstörte Familien. Es gibt Momente, in denen du den Schmerz nicht aushalten kannst. Wenn du als Journalistin kommst, wird erwartet, dass du professionell bist. Was für eine Kunst ist es, immun gegen den Schmerz zu sein? Es ist grauenhaft. Aber wir haben eine Stimme und die Menschen würden sonst nicht gehört werden. Aber du tust es unter einem hohen Risiko.“ 2008 wurde Armando Rodríguez Carreón und 2010 Luis Carlos Santiago, beides MitarbeiterInnen des El Diario, im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet. Beide Tatene wurden bis heute nicht aufgeklärt. „Als das mit Armando passierte, wurden wir gefragt, ob jemand zu Hause bleiben will, das wäre verständlich. Aber niemand wollte. Was passierte, war, dass wir rausgingen, um zu arbeiten, d. h. zu schreiben. Als Luis umgebracht wurde, war es das Gleiche.“

Auch bei den Feminiziden, welche uns als sehr komplexe Problematik begegnete, spielt die Straflosigkeit neben dem fehlenden politischen Willen zur Aufklärung eine große Rolle. Behörden und PolitikerInnen verfolgen verschiedene Vertuschungsstrategien. „Die Informationen über die Morde haben sich verringert. Im Auftrag der Regierung sind große Summen an die wichtigsten Kommunikationsmedien geflossen, um zu verhindern, dass über die Morde und das Verschwindenlassen von Frauen und Mädchen berichtet wird,“ stellte Marisela Ortiz klar. „Solange viele Leute ökonomisch von diesen Morden profitieren und nicht eine Form gefunden wird die Korruption zu bekämpfen, werden sie niemals aufgeklärt werden,“ ergänzte sie. Unter den Reichen aus Juárez ist es üblich, die schwangeren Frauen nach El Paso zu bringen, damit die Kinder die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Deshalb können sich die Täter sehr einfach in den USA verstecken. „Wir wissen, dass viele Täter reiche Juniors sind, also die jüngere Kartell-Generation, die auch in die Politik verwickelt ist. Auch im Zusammenhang mit anderen Straftaten, wie dem Narcotrafico, operieren sie in Mexiko und verhalten sich aufgrund der Strafverfolgung auf der US-amerikanischen Seite der Grenze ganz ruhig.“ so Marisela. Im öffentlichen Diskurs heißt es, die Gewalt gegen Frauen habe abgenommen und die Regierung präsentiert sich, als hätte sie alles im Griff. Die existierenden Präventiv- und Bildungsprogramme bezüglich Gewalt gegen Frauen erfüllen laut Marisela nur eine Vorzeigefunktion und arbeiten nicht adäquat und ausreichend. „Das Problem ist, dass diese Programme nicht ausreichend finanziert werden und die Verantwortlichen viel zu wenig Personal haben, so dass sie trotz aller Anstrengungen kaum Erfolge erzielen.“

Elizabeth Flores hat viele Beispiele, wie der Machismus in Mexiko funktioniert. „Bspw. haben alle Behörden nur vormittags geöffnet, da sie für die Ehefrauen der arbeitenden Männer konzipiert sind. Aber viele Frauen arbeiten auch und können so die Öffnungszeiten nicht wahrnehmen. Durch die komplett männliche Sichtweise wird das überhaupt nicht berücksichtigt.“, betonte sie.

Elizabeth und Marisela sind sich einig, dass „nur durch einen ganzheitlichen Bildungsansatz, der von der Erziehung zu Hause, in der Schule und durch die Medien, über Bildung im Gefängnis bis zu Weiterbildungen für Beamte reicht, ein Prozess angestoßen werden kann, welcher einen Perspektivwechsel in der öffentlichen Meinung erreicht.“

Der öffentliche Diskurs sagt, die Frauen seien selbst schuld, wenn sie nicht zu Hause bleiben, obwohl sie in Gefahr sind. Marisela macht das wütend: „Alle Frauen haben das Recht sich zu jeder Uhrzeit frei auf der Straße zu bewegen und respektiert zu werden. Aber das ist nicht so.“

Die einzige funktionierende Strategie, die sich bewährt hat um die Gewaltverbrechen aufzuklären, ist sich mit anderen Betroffenen zusammenzuschließen, selber nachzuforschen und Druck aufzubauen. Doch dieser tägliche Kampf ist nerven- sowie kräftezehrend und nicht ungefährlich. Durch Bedrohungen, Repression und Überfälle wird versucht, die Angehörigenfamilien daran zu hindern. Leobardo erzählte: „Was häufig passiert ist, dass sich durch den zermürbenden, anstrengenden Kampf nach und nach die Familienmitglieder abwenden, so dass nur noch eine Handvoll Mütter übrig bleibt. Die können diese Aufgabe nicht alleine stemmen, viele hören auf zu kämpfen und gehen aus der Stadt weg. Was auch nicht vergessen werden darf, ist, dass die permanente Auseinandersetzung sehr schmerzvoll ist und die Wunden nicht verheilen können.“

Die Journalistin Luz Sosa arbeitet viel mit den Opfern und kritisiert, dass Profit mit dem Mythos der Feminizide gemacht wird. „Ich verzichte auf das Konsumieren von all den Novellen und Filmen zu dem Thema, denn es werden viele Sachen veröffentlicht, die nicht wahr sind, die die Realität nicht umfassend wiedergeben. Die Mütter sind Opfer, mit denen viel Geld gemacht wird.“

Angesprochen auf das Thema Sicherheitspolitik erzählte Leobardo Alvarado: „Verschiedene Probleme kreuzen sich mit politischen und ökonomischen Interessen, leidtragend ist dabei immer die Bevölkerung.“ „Die angewandte Politik der Repression, sozialen Ausgrenzung und sozialen Säuberung bedeutet, dass alle festgenommen werden, die den Anschein erwecken, dass sie 'schlecht' sind,“ ergänzte er. Dabei wird besonders die arme Bevölkerung kriminalisiert, insbesondere Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen von der Straße weg verhaftet werden. Sie werden registriert, dem Richter vorgeführt und dann wieder freigelassen. Die Politik der Militarisierung wird so fortgeführt.

Unter dem von Ex-Präsidenten Felipe Calderón ausgerufenen „Drogenkrieg“, patroullierten 2008 überall auf den Straßen Militär und Polizei. Heute sind sie nur noch an 'wichtigen strategischen' Punkten sichtbar und es wird auf aktive Bürgereinbindung, wie Plakate die dazu aufrufen die NachbarInnen zu denunzieren, gesetzt, um bestimmte Stadtviertel zu kontrollieren.

Zusätzlich zum Argument der Sicherheit wird das Argument der Modernisierung herangezogen, wenn es um die Stadtentwicklung geht. Ohne Beteiligung der hier lebenden Menschen wird die Stadtentwicklung durch soziale Ausgrenzung, soziale Säuberung und Abriss einseitig vorangetrieben. „Es wird auch kein Wert auf die Geschichte gelegt“, sagte Leobardo. „Die Häuser werden bewusst verfallen gelassen und weichen später leerstehenden Neubauten.

Luz Sosa hat früher über Sicherheitsangelegenheiten berichtet und aufgrund von mehrfachen Bedrohungen schreibt sie heute über zivilgesellschaftliche Organisationen. „Es gibt verschiedene und sie sind die, die unsere Gesellschaft wieder aufbauen. Ich glaube, das Beste an Juárez ist die hier lebende Gemeinschaft. Viele Menschen bleiben hier und unterstützen die Stadt, investieren in die Stadt und setzen auf die Stadt. Normale Menschen tun das Außergewöhnliche. Die Gemeinschaft ist bereit zu kämpfen. Das gibt uns die Verpflichtung, den Raum dafür im El Diario, der lokalen Tageszeitung, zu öffnen.“ Sie wollte am liebsten aufhören zu arbeiten, aber sie sagt, es ist möglich als Journalistin für die zivilgesellschaftlichen Organisationen tätig zu sein, um über diese zu informieren.

„Leider habe ich mich erst so richtig engagiert, als ich selbst betroffen war. Eine meiner Schülerinnen, Liliana Alejandra Andrade, verschwand und wurde wenig später ermordet aufgefunden“, schilderte uns Marisela Ortiz. „Das hat mein Herz bewegt. Ich habe niemals geplant eine Organisation für Frauenrechte aufzubauen. Das passierte spontan mit der Intention, von den Behörden die Pflichterfüllung und somit Aufklärung einzufordern. Es waren Gruppen von Familien, die uns um Unterstützung baten. So haben wir angefangen. Unsere Arbeit war einfach eine gesammelte und organisierte Kraft für alle. Ich denke viele zivile Organisationen in Juárez entstehen aus ähnlichen Situationen, weil sie persönlich mit der Problematik konfrontiert werden. Wir haben lange Jahre aus eigener Kraft und mit unserem eigenen Geld gearbeitet. Dann gab es Angebote uns projektbezogen zu unterstützen und so fingen die Spenden an, die niemals konstant sind.“ Marisela Ortiz betonte, dass die Frauen zu keiner Zeit respektiert werden. „ Die Bildung kann das langfristig ändern. Daran arbeiten wir. Wir gehen in Schulen, wo die Kinder durch Spiele die Gleichberechtigung erlernen sollen. Wir machen Foto- und Poesiewettbewerbe, die die Gleichberechtigung als Thema haben. Es sind kleine Schritte, aber wir müssen sie selbst tun, denn wir können nicht warten, dass sie von allein passieren.“ Die Kraft weiterzumachen zieht sie aus der Familie, die sie ihr Rückgrat nennt. Außerdem ist es eine Verpflichtung, die nicht so einfach abgelegt werden kann. „Das ist eine Lebensverpflichtung“, ergänzte sie und fügte hinzu: „Ich habe immer gesagt: Meine Aktionen sind größer als meine Feinde. Deswegen mache ich weiter. Ich stehe immer noch auf mit der gleichen Energie, ich weiß nicht wie, aber so ist es.“

Den ersten Berührungspunkt mit ihrer veränderten Sicht der Realität hatte Obeja Negra von den BF zum Frauentag 2005, da damals das Thema der Feminizide sehr präsent in der Stadt war. Der Fall einer sechsjährigen hat sie sehr berührt. „Seitdem war es mir sehr wichtig zu sagen, was ich denke und fühle in dieser Stadt. Unsere Idee ist es, uns als Gruppe zusammenzutun, jede mit ihrem Talent. Das macht uns stärker.“ Dilema erzählte: „Wir träumen viel zusammen. Wir planen Sachen, erfinden zusammen. Wir haben sehr krasse Sachen erlebt und gesehen. Da kann ich mich nicht zu Hause einschließen. Ich will auch andere Frauen anschubsen und die Kunst ist die beste Form dies zu tun.“ Obeja Negra schloss: „Wir haben uns gefragt, was das Beste in Juárez ist. Das sind die Leute, die kämpfen, die träumen, die Widerstand leisten. Wir erzählen, wir singen, wir kreieren, wir tanzen. Das ist unser Widerstand, unser Kampf. Das Weiter zu machen, obwohl es Militär, Auftragskiller, Narcos und Peña Nieto (derzeitiger mexikanischer Präsident – die Red.) gibt. Trotz alledem. Wir wollen einen lebendigen Teil von Juárez präsentieren und das aus einer Frauenperspektive.“

Wir möchten auch auf den ausführlichen Reiseblog verweisen, der auf der Internetseite des IAK zu finden ist. http://www.iak-net.de/category/reiseblogs/usa-mexiko-blog-2013/

Zwischen dem 14. September und 4. Oktober besuchte eine Reisegruppe von elf Frauen die Zwillingsstädte El Paso (USA) und Ciudad Juárez (Mexico), um sich mit der komplexen Realität dieses Grenzraumes auseinanderzusetzen. Sie wollten wissen, wie die Menschen dort im Alltag mit den Problemlagen, wie Gewalt und Feminizide (Morden an Frauen, weil sie Frauen sind), umgehen, welche Handlungsstrategien sie entwickelt haben, woher sie die Kraft nehmen, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren und welche Träume und Hoffnungen sie verfolgen. Auf der Reise besuchten sie verschiedene Organisationen und Menschen. In den folgenden Bericht von zwei Teilnehmerinnen der Gruppe sind einige Dieser Gespräche eingeflossen: Aussagen von Luz Sosa von El Diario, einer lokalen Zeitung, die als eine der wenigen Printmedien kein Abkommen unterzeichnet haben, staatstreu über den 'Drogenkrieg' zu schreiben. In El Paso berichtete Marisela Ortiz, die dorthin ins Exil gehen musste, von der Organisation Nuestras Hijas de Regreso a Casa, die sich für die öffentliche Thematisierung von Gewalt gegen Frauen, die Aufklärung der Frauenmorde und die strafrechtliche Verfolgung der Täter einsetzt. Weiter kommen Elizabeth Flores zu Wort, die Direktorin von Pastoral Obrera, die ArbeiterInnen in Ciudad Juárez organisiert, Leobardo Alvarado,Künstler, Aktivist und Sozialwissenschaftler und Obeja Negra, Dilema, Alex und Murder von den Batallones Femeninos (BF), einer 7-köpfigen Frauen-Hip-Hop Gruppe aus Juárez.

Früher war Ciudad Juárez eine kleine Stadt, die vom Tourismus aus den USA lebte, meinte Elizabeth Flores. Viele kamen aus Fort Bliss, einem Truppenstützpunkt in El Paso, um sich in Juárez zu vergnügen oder Waren und Dienstleistungen zu konsumieren, die hier billiger waren. Eine Vielzahl leerstehender und verfallener Hotels und Bars erzählen davon. „Davon lebte Juárez. Damals gab es viele Geschäfte, die besser liefen als im Rest des Landes.“

Elizabeth Flores berichtete, dass ab den 70er Jahren die Maquiladoras kamen und Juárez rapide wuchs. Die Maquiladoras oder kurz Maquilas sind ausländische Unternehmen, die das relativ niedrige Lohnniveau in Mexiko ausnutzen, um dort halbfertige Produkte weiterverarbeiten zu lassen. Dieses Industrialisierungsmodell ist sehr umstritten, da es nur schlecht bezahlte Arbeitsplätze schafft und wenig zur Entwicklung einer lokalen soliden Industriebasis beiträgt. Durch das Anwachsen der Maquila-Industrie wuchs der Handel, Schulen wurden eröffnet, der Wohnungsmarkt vergrößerte sich usw. Gleichzeitig wurde eine Abhängigkeit von den Maquiladoras aufgebaut. Die Finanzkrise, die 2007 in den USA als Immobilienkrise begann und sich ab 2008 auch auf die Realwirtschaft auswirkte, sorgte u. a. dafür, dass die Produktion in den Maquilas, die überwiegend für den US-Markt produzieren, sank und es zu Entlassungen kam. Marisela Ortiz betonte, dass die Maquiladoras überhaupt nicht gut sind: „Sie wurden uns als Wirtschaftsrettung angekündigt, sie haben die Gesellschaft maßgeblich verändert und in gar keiner Weise ausgeglichen, was sie der Gesellschaft an Schmerz gebracht haben.“

Der Verdienst in diesen Betrieben, der im Durchschnitt 670 Peso (70 Dollar) pro Woche beträgt, reicht nicht zum Lebensunterhalt für eine Person. „Selbst wenn zwei Personen arbeiten, lebt die Familie weiterhin prekär“, betonte Elizabeth Flores. Denn das Leben in Ciudad Juárez ist teuer. Die Kosten für Strom und Wasser sind hoch, ebenso die Mieten und die Lebensmittel. Aufgrund der Wirtschaftskrise ist die Arbeitslosigkeit gestiegen. Außerdem werden jährlich 24 Prozent der StudienabgängerInnen in die Arbeitslosigkeit entlassen. Viele Menschen arbeiten im informellen Sektor oder in ausbildungsfernen Bereichen. „Einige wenige haben die Reichtümer, der große Rest lebt in der Misere. Es gibt Orte in der Stadt, wo die Armut sehr sichtbar ist, wo die Menschen nicht einmal die Grundversorgung haben“, meinte Marisela Ortiz. Luz Sosa betonte die Anfälligkeit der Jugendlichen für die organisierte Kriminalität und Elizabeth Flores schloss daraus, dass „diese für viele Jugendliche eine Perspektive ist, weil sie doppelt, zehn oder zwanzig mal mehr verdienen können.“

Elizabeth Flores wies darauf hin, dass die De-Facto-Macht der Maquiladora eine Veränderung der Lehrpläne in den Schulen bewirkte. Die Schulen und Universitäten stellten sich auf die Produktion in den Maquilas ein. Geschichte, Geographie, Sozialkunde, Philosophie etc. wurden vernachlässigt. Mexiko ist auf dem Weg der Privatisierung, auch im Bildungsbereich. Die regierende PRI (Partido Revolucionario Institucional) beschleunigt und unterstützt die wirtschaftlichen Interessen u. a. mit Reformen in fast allen strategischen Bereichen, auch in der Bildung. Schon heute haben Arbeiterkinder kaum Zugang zu höherer Schulbildung, weil die Familien es nicht bezahlen können. „Die meisten gehen bereits nach der 9. Klasse von der Schule ab“, berichtete Elizabeth weiter.

Die Batallones Femeninos haben den Wunsch eigene Einkommensquellen durch ihre kreative Arbeit zu schaffen. „ Für zehn Stunden Arbeit in der Maquila bekomme ich 56 Peso. Die mach` ich mit Singen in drei Autobussen.Wir haben gelernt für das Jetzt zu leben, wer weiß, ob wir morgen noch am Leben sind. Wir haben auch gelernt, etwas Schönes zu machen aus etwas Schrecklichem wie dieser Stadt. Das ist unsere Kunst. Wir erzählen darüber, was es heißt in dieser Stadt zu leben“, hielt Obeja Negra von den BF fest. „Es passieren viele furchtbare Dinge in dieser Stadt. Alle wissen es, aber niemand sagt es. Unsere Mütter und Freunde sind besorgt um uns, wenn wir über die Stadt erzählen, weil es gefährlich sein könnte. Sie haben Angst und es gibt viel akkumulierte Angst in den Familien“, erläuterte Dilema. Luz Sosa vom El Diario denkt, dass es in Juárez gefährlicher ist dem Staat die Stirn zu bieten als der organisierten Kriminalität. „Die Regierung möchte auf die eine oder andere Weise nicht, dass wir über Korruption und Straflosigkeit berichten. “ Das meint auch Marisela Ortiz: „Leider ist Mexiko ein sehr korruptes und verderbliches Land, im gesetzgebenden und gerade auch im ausführenden Sektor, also der Polizei. Die Korruption verläuft von oben nach unten. Das ist der Zustand.“

Eine Woche bevor wir Luz Sosa trafen, waren in Loma Blanca einem Stadtteil von Juárez zehn Menschen mit 33 Kugeln niedergeschossen worden, als sie ein gewonnenes Baseballspiel feierten. Die meisten waren Mitglieder der Mannschaft und zwischen 18 und 19 Jahre alt. „ Als bewaffnete Gruppen sich in Loma Blanca aufhielten, gab es einen Moment, in dem sie uns zu verstehen gaben, dass es gefährlich sei über die Beerdigungen zu schreiben. Manchmal frage ich mich, warum ich das weitermache. Letzte Woche waren es in Loma Blanca neun Beerdigungen. Ich traf zerstörte Familien. Es gibt Momente, in denen du den Schmerz nicht aushalten kannst. Wenn du als Journalistin kommst, wird erwartet, dass du professionell bist. Was für eine Kunst ist es, immun gegen den Schmerz zu sein? Es ist grauenhaft. Aber wir haben eine Stimme und die Menschen würden sonst nicht gehört werden. Aber du tust es unter einem hohen Risiko.“ 2008 wurde Armando Rodríguez Carreón und 2010 Luis Carlos Santiago, beides MitarbeiterInnen des El Diario, im Zusammenhang mit ihrer Arbeit ermordet. Beide Tatene wurden bis heute nicht aufgeklärt. „Als das mit Armando passierte, wurden wir gefragt, ob jemand zu Hause bleiben will, das wäre verständlich. Aber niemand wollte. Was passierte, war, dass wir rausgingen, um zu arbeiten, d. h. zu schreiben. Als Luis umgebracht wurde, war es das Gleiche.“

Auch bei den Feminiziden, welche uns als sehr komplexe Problematik begegnete, spielt die Straflosigkeit neben dem fehlenden politischen Willen zur Aufklärung eine große Rolle. Behörden und PolitikerInnen verfolgen verschiedene Vertuschungsstrategien. „Die Informationen über die Morde haben sich verringert. Im Auftrag der Regierung sind große Summen an die wichtigsten Kommunikationsmedien geflossen, um zu verhindern, dass über die Morde und das Verschwindenlassen von Frauen und Mädchen berichtet wird,“ stellte Marisela Ortiz klar. „Solange viele Leute ökonomisch von diesen Morden profitieren und nicht eine Form gefunden wird die Korruption zu bekämpfen, werden sie niemals aufgeklärt werden,“ ergänzte sie. Unter den Reichen aus Juárez ist es üblich, die schwangeren Frauen nach El Paso zu bringen, damit die Kinder die US-Staatsbürgerschaft erhalten. Deshalb können sich die Täter sehr einfach in den USA verstecken. „Wir wissen, dass viele Täter reiche Juniors sind, also die jüngere Kartell-Generation, die auch in die Politik verwickelt ist. Auch im Zusammenhang mit anderen Straftaten, wie dem Narcotrafico, operieren sie in Mexiko und verhalten sich aufgrund der Strafverfolgung auf der US-amerikanischen Seite der Grenze ganz ruhig.“ so Marisela. Im öffentlichen Diskurs heißt es, die Gewalt gegen Frauen habe abgenommen und die Regierung präsentiert sich, als hätte sie alles im Griff. Die existierenden Präventiv- und Bildungsprogramme bezüglich Gewalt gegen Frauen erfüllen laut Marisela nur eine Vorzeigefunktion und arbeiten nicht adäquat und ausreichend. „Das Problem ist, dass diese Programme nicht ausreichend finanziert werden und die Verantwortlichen viel zu wenig Personal haben, so dass sie trotz aller Anstrengungen kaum Erfolge erzielen.“

Elizabeth Flores hat viele Beispiele, wie der Machismus in Mexiko funktioniert. „Bspw. haben alle Behörden nur vormittags geöffnet, da sie für die Ehefrauen der arbeitenden Männer konzipiert sind. Aber viele Frauen arbeiten auch und können so die Öffnungszeiten nicht wahrnehmen. Durch die komplett männliche Sichtweise wird das überhaupt nicht berücksichtigt.“, betonte sie.

Elizabeth und Marisela sind sich einig, dass „nur durch einen ganzheitlichen Bildungsansatz, der von der Erziehung zu Hause, in der Schule und durch die Medien, über Bildung im Gefängnis bis zu Weiterbildungen für Beamte reicht, ein Prozess angestoßen werden kann, welcher einen Perspektivwechsel in der öffentlichen Meinung erreicht.“

Der öffentliche Diskurs sagt, die Frauen seien selbst schuld, wenn sie nicht zu Hause bleiben, obwohl sie in Gefahr sind. Marisela macht das wütend: „Alle Frauen haben das Recht sich zu jeder Uhrzeit frei auf der Straße zu bewegen und respektiert zu werden. Aber das ist nicht so.“

Die einzige funktionierende Strategie, die sich bewährt hat um die Gewaltverbrechen aufzuklären, ist sich mit anderen Betroffenen zusammenzuschließen, selber nachzuforschen und Druck aufzubauen. Doch dieser tägliche Kampf ist nerven- sowie kräftezehrend und nicht ungefährlich. Durch Bedrohungen, Repression und Überfälle wird versucht, die Angehörigenfamilien daran zu hindern. Leobardo erzählte: „Was häufig passiert ist, dass sich durch den zermürbenden, anstrengenden Kampf nach und nach die Familienmitglieder abwenden, so dass nur noch eine Handvoll Mütter übrig bleibt. Die können diese Aufgabe nicht alleine stemmen, viele hören auf zu kämpfen und gehen aus der Stadt weg. Was auch nicht vergessen werden darf, ist, dass die permanente Auseinandersetzung sehr schmerzvoll ist und die Wunden nicht verheilen können.“

Die Journalistin Luz Sosa arbeitet viel mit den Opfern und kritisiert, dass Profit mit dem Mythos der Feminizide gemacht wird. „Ich verzichte auf das Konsumieren von all den Novellen und Filmen zu dem Thema, denn es werden viele Sachen veröffentlicht, die nicht wahr sind, die die Realität nicht umfassend wiedergeben. Die Mütter sind Opfer, mit denen viel Geld gemacht wird.“

Angesprochen auf das Thema Sicherheitspolitik erzählte Leobardo Alvarado: „Verschiedene Probleme kreuzen sich mit politischen und ökonomischen Interessen, leidtragend ist dabei immer die Bevölkerung.“ „Die angewandte Politik der Repression, sozialen Ausgrenzung und sozialen Säuberung bedeutet, dass alle festgenommen werden, die den Anschein erwecken, dass sie 'schlecht' sind,“ ergänzte er. Dabei wird besonders die arme Bevölkerung kriminalisiert, insbesondere Jugendliche, die aus verschiedenen Gründen von der Straße weg verhaftet werden. Sie werden registriert, dem Richter vorgeführt und dann wieder freigelassen. Die Politik der Militarisierung wird so fortgeführt.

Unter dem von Ex-Präsidenten Felipe Calderón ausgerufenen „Drogenkrieg“, patroullierten 2008 überall auf den Straßen Militär und Polizei. Heute sind sie nur noch an 'wichtigen strategischen' Punkten sichtbar und es wird auf aktive Bürgereinbindung, wie Plakate die dazu aufrufen die NachbarInnen zu denunzieren, gesetzt, um bestimmte Stadtviertel zu kontrollieren.

Zusätzlich zum Argument der Sicherheit wird das Argument der Modernisierung herangezogen, wenn es um die Stadtentwicklung geht. Ohne Beteiligung der hier lebenden Menschen wird die Stadtentwicklung durch soziale Ausgrenzung, soziale Säuberung und Abriss einseitig vorangetrieben. „Es wird auch kein Wert auf die Geschichte gelegt“, sagte Leobardo. „Die Häuser werden bewusst verfallen gelassen und weichen später leerstehenden Neubauten.

Luz Sosa hat früher über Sicherheitsangelegenheiten berichtet und aufgrund von mehrfachen Bedrohungen schreibt sie heute über zivilgesellschaftliche Organisationen. „Es gibt verschiedene und sie sind die, die unsere Gesellschaft wieder aufbauen. Ich glaube, das Beste an Juárez ist die hier lebende Gemeinschaft. Viele Menschen bleiben hier und unterstützen die Stadt, investieren in die Stadt und setzen auf die Stadt. Normale Menschen tun das Außergewöhnliche. Die Gemeinschaft ist bereit zu kämpfen. Das gibt uns die Verpflichtung, den Raum dafür im El Diario, der lokalen Tageszeitung, zu öffnen.“ Sie wollte am liebsten aufhören zu arbeiten, aber sie sagt, es ist möglich als Journalistin für die zivilgesellschaftlichen Organisationen tätig zu sein, um über diese zu informieren.

„Leider habe ich mich erst so richtig engagiert, als ich selbst betroffen war. Eine meiner Schülerinnen, Liliana Alejandra Andrade, verschwand und wurde wenig später ermordet aufgefunden“, schilderte uns Marisela Ortiz. „Das hat mein Herz bewegt. Ich habe niemals geplant eine Organisation für Frauenrechte aufzubauen. Das passierte spontan mit der Intention, von den Behörden die Pflichterfüllung und somit Aufklärung einzufordern. Es waren Gruppen von Familien, die uns um Unterstützung baten. So haben wir angefangen. Unsere Arbeit war einfach eine gesammelte und organisierte Kraft für alle. Ich denke viele zivile Organisationen in Juárez entstehen aus ähnlichen Situationen, weil sie persönlich mit der Problematik konfrontiert werden. Wir haben lange Jahre aus eigener Kraft und mit unserem eigenen Geld gearbeitet. Dann gab es Angebote uns projektbezogen zu unterstützen und so fingen die Spenden an, die niemals konstant sind.“ Marisela Ortiz betonte, dass die Frauen zu keiner Zeit respektiert werden. „ Die Bildung kann das langfristig ändern. Daran arbeiten wir. Wir gehen in Schulen, wo die Kinder durch Spiele die Gleichberechtigung erlernen sollen. Wir machen Foto- und Poesiewettbewerbe, die die Gleichberechtigung als Thema haben. Es sind kleine Schritte, aber wir müssen sie selbst tun, denn wir können nicht warten, dass sie von allein passieren.“ Die Kraft weiterzumachen zieht sie aus der Familie, die sie ihr Rückgrat nennt. Außerdem ist es eine Verpflichtung, die nicht so einfach abgelegt werden kann. „Das ist eine Lebensverpflichtung“, ergänzte sie und fügte hinzu: „Ich habe immer gesagt: Meine Aktionen sind größer als meine Feinde. Deswegen mache ich weiter. Ich stehe immer noch auf mit der gleichen Energie, ich weiß nicht wie, aber so ist es.“

Den ersten Berührungspunkt mit ihrer veränderten Sicht der Realität hatte Obeja Negra von den BF zum Frauentag 2005, da damals das Thema der Feminizide sehr präsent in der Stadt war. Der Fall einer sechsjährigen hat sie sehr berührt. „Seitdem war es mir sehr wichtig zu sagen, was ich denke und fühle in dieser Stadt. Unsere Idee ist es, uns als Gruppe zusammenzutun, jede mit ihrem Talent. Das macht uns stärker.“ Dilema erzählte: „Wir träumen viel zusammen. Wir planen Sachen, erfinden zusammen. Wir haben sehr krasse Sachen erlebt und gesehen. Da kann ich mich nicht zu Hause einschließen. Ich will auch andere Frauen anschubsen und die Kunst ist die beste Form dies zu tun.“ Obeja Negra schloss: „Wir haben uns gefragt, was das Beste in Juárez ist. Das sind die Leute, die kämpfen, die träumen, die Widerstand leisten. Wir erzählen, wir singen, wir kreieren, wir tanzen. Das ist unser Widerstand, unser Kampf. Das Weiter zu machen, obwohl es Militär, Auftragskiller, Narcos und Peña Nieto (derzeitiger mexikanischer Präsident – die Red.) gibt. Trotz alledem. Wir wollen einen lebendigen Teil von Juárez präsentieren und das aus einer Frauenperspektive.“

Wir möchten auch auf den ausführlichen Reiseblog verweisen, der auf der Internetseite des IAK zu finden ist. http://www.iak-net.de/category/reiseblogs/usa-mexiko-blog-2013/

Texte und Interviews Kolumbien

Hier findet ihr PDF`s mit Texten und Interviews:

Punk in Kolumbien

Punk in Kolumbien ►►►

Anarchist Black Cross Bogota - 2008

Anarchist Black Cross Bogota - 2008 ►►►

Red Jovenil

Red Jovenil ►►►

Polikarpa y sus Viciosas

Polikarpa y sus Viciosas ►►►

Video

"DIE KRAFT DER SCHMETTERLINGE"

"DIE KRAFT DER SCHMETTERLINGE"
http://alegre-rebeldia.de
Der Dokumentarfilm handelt von Menschen in Mittelamerika, die sich organisieren und eigene Lösungen und Alternativen schaffen, anstatt auf Lösungen durch ihre Regierung zu warten. All diese Projekte sind beeindruckende Beispiele für Selbstbestimmung und Selbstverwaltung und machen einmal mehr klar, dass es Alternativen zum kapitalistischem System gibt.

Radio

Der andere Reisebericht von Menschen aus Lateinamerika

Alle hier genannten Sendungen können gern weiterverbreitet und bei Freien Radios gesendet werden.

Der andere Reisebericht von Menschen aus Lateinamerika

Diese Radiosendungen sind auf einer Reise von Mexiko nach Panama entstanden, beim Besuch von Projekten, die im Widerstand sind und Alternativen aufbauen.

Mexiko/Mexikostadt: „Tepito, Tepito, Tepito…!!!“

https://www.freie-radios.net/60792

Wer das Leben in D.F. kennenlernen will, sollte nach Tepito kommen. Tepito liegt im Zentrum von Mexiko-Stadt und hat mit seiner Kultur, seinen Traditionen und seinen Besonderheiten einen festen Platz in der Geschichte der Stadt. Um wachsenden Problemen in dem Barrio entgegen zu wirken, hat sich das Netzwerk kultureller Orte in Tepito gegründet und engagiert sich in verschiedenen Bereichen.

Mexiko/Chiapas: „Die kleine zapatistische Schule“

https://www.freie-radios.net/62575

Im Dezember 2013 haben die Zapatistas zum zweiten Mal über 2000 Aktivist_innen von linken Basisbewegungen aus der ganzen Welt eingeladen, um eine Woche in ihren Gemeinden mit ihnen zu leben und dort ihre politische Praxis und ihre Selbstorganisierung kennenzulernen.

In der Radiosendung stellen die Zapatistas die riesigen Fortschritte der letzten 20 Jahre dar, die sie in ihrem Kampf um Selbstbestimmung und für ein Leben in Würde gemacht haben. Außerdem rufen sie Menschen auf der ganzen Welt auf, ihre Selbstverwaltung von Unten zu organisieren und Widerstand gegen den Kapitalismus zu leisten.

Honduras: „An wen verkaufen wir unser Land’?“

https://www.freie-radios.net/64459

Honduras ist Teil des mesoamerikanischen biologischen Korridors und somit reich an natürlichen Bodenschätzen. Deshalb sind auch viele transnationale Firmen hier, die Interesse haben, die Rohstoffe auszubeuten. Konkret geht es um Monokultur, Wasserkraftwerke und Bergbauprojekte. Die Errichtung der Megaprojekte ist verbunden mit fatalen Auswirkungen auf die Umwelt, Repressionen,

Vertreibungen, Bedrohungen sowie Gewalt gegenüber der lokalen Bevölkerung. Doch diese wehrt sich nicht nur dagegen, sondern treibt auch konkrete Alternativen voran, die im Einklang mit der Natur stehen.

Costa Rica: Kampf um Land

https://www.freie-radios.net/64461

Im Mai diesen Jahres haben wir für ein paar Tage die compas einer kleinen Gemeinde im Kanton Sarapiqui besucht. Sie haben 200 Hektar Land besetzt und kämpfen wie viele andere in Costa Rica darum, ein kleines Stück Land zu haben, um leben und anbauen zu können. Damit verteidigen sie das „Grundrecht der Bauern auf Arbeit“, was nicht nur bedeutet, Arbeitnehmer zu sein, sondern auch sein eigenes Land bearbeiten zu können.

Der Kanton Sarapiqui liegt im Norden Costa Ricas und ist seit den fünfziger Jahren in den Händen von Großgrundbesitzern und transnationalem Kapital. Neben den fatalen Auswirkungen auf die Umwelt, wurde so für die Kleinbauern der Zugang zu Land geschlossen. Sarapiquí hat sich dadurch in eine Zone vieler sozialer Konflikte verwandelt, denn die Landbesetzungen sind für die Menschen die einzige Möglichkeit, um Land zu besiedeln.

Creative Commons Lizenzvertrag

Ein kurzes Feature zur Idee der Karawane

Ein kurzes Feature zur Idee der Karawane

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